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Social Empowerment

von

Wir Menschen sind notorisch soziale Wesen. Unser «Ich» will im «Wir» aufgehen, in der Gemeinschaft der Familie, von Freunden, Berufskollegen und Gleichgesinnten. Selbst im Konflikt überdauert Gemeinschaft, solange wir miteinander reden. Es verwundert nicht, dass Kirchen, Parteien, Unternehmen und alle anderen Organisationen versuchen, Gemeinschaft herzustellen. Was sie sich davon erhoffen, ist Resilienz, die Fähigkeit, Krisen zu überwinden und sie, durch das Erinnern von Gemeinsinn, in Fortschritt zu verwandeln. Werden Gemeinschaften hingegen geschwächt oder vernichtet, ist der Schaden enorm. Was, wenn das in einem Unternehmen geschieht? Gefragte Leistungen werden nicht länger erbracht, Entwicklungsvorhaben geraten ins Stocken. Das Vertrauen der Mitarbeitenden, Kunden und Investoren schwindet. In allen Organisationen zählt die Pflege des Gemeinsinns deshalb zu den ersten Führungsaufgaben.
Narrative und Rituale spiegeln und festigen den Gemeinsinn, sie erzeugen ihn jedoch nicht. Die Kohäsion innerhalb einer Gemeinschaft entsteht vielmehr durch die übereinstimmende Wahrnehmung eines Ausschnitts der Wirklichkeit und der gemeinsamen Überzeugung, dass ein bestimmtes Verhalten zielführend ist. Im Wissen darum, dass jeder unternehmerische Erfolg das Werk einer intakten Gemeinschaft ist, erwarten wir vom Manager zu Recht eine hohe Vermittlungsfähigkeit. Das soziokulturelle Kontinuum, das vom Manager gewährleisten werden will, folgt jedoch stets auch den Erfordernissen der eigenen Stellung. Der Lösungskapazität setzt das Grenzen. Sind diese erreicht, gerät das Ziel ausser Reichweite.
Was ist zu tun? Moderierte Gespräche ermöglichen eine Auslegung der Gegebenheiten in Varianten. Neu sind diese meistens nicht. Jemand findet sich immer, der sich dieser oder jener Sichtweise zumindest in Gedanken schon mal bedient hat – und dann gestolpert ist über tausend stumme Einwände. Doch im Laufe des Gesprächs, in der mehrstimmigen Erwägung, entwickelt sich allmählich ein zwingender Begründungszusammenhang. Und damit nicht genug: Es ereignet sich eine Art mentale Fusion, die im Gefühl der Zusammengehörigkeit zum Ausdruck kommt. Jeder Mensch ist ein Kosmos von Weltbezügen. Das, was jemand ist, geht niemals auf in dem, was wir von ihm wahrnehmen. Im Gespräch jedoch, besonders im moderierten Gespräch, zeigen wir alle mehr von uns, findet mehr von uns seine Entsprechung im Wesen anderer.
Diese Sphäre erschliesst sich dem Moderator dank seiner Unvoreingenommenheit. Betreten kann er sie, weil sein Engagement zeitlich begrenzt ist. Er tut alles, was der Manager nicht tun kann und nichts von dem, was dieser besser macht. Die verbreitete Angst des Managers vor dem Moderator ist unbegründet. In dem das Befinden der Mitarbeitenden ertastet und die eigentlichen Beweggründe in Erinnerung gerufen werden, wird das Managementsystem nicht geschwächt, sondern auf lange Sicht gefestigt. Manager und Moderator ergänzen sich symbiotisch.

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